Soziale Arbeit und ihre Kopplungen zur Bürokratie

Das Thema beschäftigt mich jetzt schon länger, aber erst heute ist es mir mal so richtig deutlich geworden, inwieweit Soziale Arbeit auch an Grenzen stoßen kann, auf die sie nur wenig Einfluss hat. Dies fällt mir auf, wenn ich Finanzierungsstrukturen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene anschaue oder mit der „Flexibilität“ oder gar mit der „Sinnhaftigkeit“ von Verwaltungsabläufen und Prozessen konfrontiert bin.

In einem anderen Beitrag wird hier in diesem Blog gerade gefragt, was die Soziale Arbeit in der Frage bzgl. Migration tut oder nicht tut. Aus meiner Perspektive liegt die Verantwortung hier aber nicht bei der Sozialen Arbeit, sondern vielmehr an festgefahrenen bürokratischen Strukturen und Abläufen – bis hin zu Finanzierungsfragen -, die dafür sorgen, dass ein flexibler Umgang mit  außerordentlichen Situationen außerordentlich erschwert oder gar nahezu unmöglich gemacht wird. In der Logik der Bürokratie wird jedoch sauber und korrekt gehandelt.

Ich frage mich insofern viel mehr, inwieweit die Soziale Arbeit noch nacharbeiten muss, um ihren Einfluss auf die Programmebene zu vergrößern? Welche Personen oder Adressen haben wir hier positioniert oder gedenken wir zu positionieren? Nach meinem Dafürhalten wäre das zumindest eine Option, um langfristig zu mehr Flexibilität zu kommen.

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6 thoughts on “Soziale Arbeit und ihre Kopplungen zur Bürokratie

  1. Hallo zusammen,

    zu der Frage, wie Soziale Arbeit ihren Einfluss auf die Programmebene vergrößern kann ein paar Anmerkungen:
    Vielleicht ließe sich mehr Einfluss erreichen, wenn Soziale Arbeit mehr medial darstellen würde, was sie mit welchen Effekten leistet und wie sie dies tut. Hier nutzen eigene fachliche Praxiserfahrungen, die Stimme von Adressaten und empirische Hinweise.
    Soziale und gesellschaftliche Wirklichkeiten formen sich ja auch über Kommunikationsmedien, die etwas ver-wahrscheinlichen können. Ob sich Anerkennung durchsetzt oder nicht, hängt vom gekonnten Umgang mit symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien wie Geld und Macht zusammen ab und von gekonnter Medien’nutzung‘ (Sprache, Verbreitungsmedien).
    In meiner Zeit als Leiter und Mitarbeiter eines Schulverweigerungs-Projekts war es mir wichtig, hier einerseits realistisch mit Erfolgsaussichten umzugehen, andererseits aber auch ganz konkret Diskursarenen und –formate zu initiieren.
    Für mich war z.B. eine Programmtagung gut erreichbar und ich konnte in meinem „Praxisbericht von vor Ort“ darstellen, dass oft nicht nur Schüler die Schule verweigern, sondern oft auch Schulen die Schüler verweigern. Meine Einflüsse auf die Programmbestimmungen blieben sicher bescheiden, wenn auch nicht gänzlich ohne Effekte. So wurde z.B. die Relation des Projekts zu Fragen der Schulentwicklung gestärkt.
    Mein Eindruck ist, dass es kaum Forschung gibt zur Frage, wie der Einfluss auf die Programmebene vergrößert werden kann. Was sind Gelingensfaktoren? Wer und was entscheidet darüber, ob es Sozialer Arbeit medial gelingt, sich an normativen Diskursen zu beteiligen? Ganz konkret – jenseits der notwendigen ‚großen‘ sozialpolitischer Stellungnahme durch Verbände.
    Mein Eindruck ist, dass neben der Erreichbarkeit und Adressabilität der Programmebene auch das jeweilige Professionsverständnis (Selbstbeauftragung?) eine gewichtige Rolle spielt.
    Bisweilen changiert Praxis zwischen allzu-kühner Hybris und falscher Bescheidenheit.

    • Hallo Michael, hallo Wolfgang und alle Interessierten !

      Jeder hat so in seiner Perspektive einiges genauer im Blick.
      Die Abhängigkeiten der Sozialen Arbeit von Verwaltungslogiken kriege ich nicht so mit. Die mediale Präsenz (und die Diskursbeiträge) beschäftigen mich mehr.

      Mir fällt auf und ein.
      Zum Beispiel, dass die Soziale Arbeit in der aktuellen Debatte zur Krise des Umgangs mit den Flüchtlingen nicht besonders auffällt. Eigenständige fachliche Stellungnahmen kommen bei mir nicht an. Und schon rastet bei mir ein Beobachtungsschema ein: Besteht hier ein Zusammenhang zu den theoretischen Ansätzen der Sozialen Arbeit die besonders durch orakeln auffallen, die Soziale Arbeit zwischen den Bezugswissenschaften auflösen oder die Soziale Arbeit auf Methoden eindampfen? Holen sich die besonders begabten Systemiker gerade einen Rotwein?
      In der allgemeinen Aufgeregtheit sind ruhige Positionen wichtig – m.E aber auch Stellungnahmen, die ruhiges Handeln unterstützen.

      Sollten wir was von der Seite der DGSSA unternehmen?

      Wilfried

  2. Ich bekomme die Bürokratie zwar auch mit. Worunter die KollegInnen in der Praxis besonders leiden sind aber wieder mal der Föderalismus und die Umsetzungspraxis der Asylverfahren. Die Nicht-Umsetzung von Internationalem Recht insbesondere bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Hier gibt es einen Widerspruch zwischen Kinder- und Jugendhilferecht und Asylrecht und da wäre noch viel mehr zu sagen.
    Zur Zeit entstehen sehr gute Bachelorarbeiten zu diesem Thema. Studierende sind sehr engagiert.
    Aber die Soziale Arbeit äußert sich nicht wirklich laut und überhörbar. Zur Zeit gibt es eine Gruppe, die eine Stellungnahme zum Thema Gemeinschaftsunterkünften erarbeitet . (Gabi Straßburger ist in der Gruppe) Der DBSH Berlin versendet Newsletter, die aber vor allem informieren, damit diejenigen, die mit Menschen auf der Flucht arbeiten, Informationen über Aktivitäten und Hilfsmaterialien bekommen. Mehr ist mir zur Zeit nicht bekannt.
    Also ich finde unbedingt, dass wir uns äußern sollten/müssten.
    Vielleicht sammeln wir aber, welche Kommunikationen es schon gibt.

  3. Hallo ins Rund,
    Nach der Äußerung, dass Soziale Arbeit mehr mediale Präsenz zeigen sollte, kurz ein paar Hinweise: wer hatte den gestrigen „Welt-Sozialarbeiter-Tag“ auf dem Schirm, der Regierungssprecher twitterte eben gestern den „Weltverbrauchertag“, Johannes Herwig-Lempp verfasste im vergangenen Herbst einen Leserbrief mit einer klaren sozialarbeiterischen Haltung in der Süddeutschen.
    während z.b. in Iran u.a. der Vorsitzende der Sozialarbeitervereinigung des Landes sich regelmäßig zu aktuellen Themen in relevanten Zeitungen und in Blogs zu aktuellen, (z.b. Der Probleme afghanischer Flüchtlingskinder in Iran und deren Schwierigkeiten der schulischen Teilhabe, etc), bekomme ich hier in d. fast nur Statements von Armin Nassehi zu aktuellen Themen mit: ein in der systemischen Sozialarbeit gerne zitierter Soziologe, kein Sozialarbeiter…
    Übrigens: Thomas Olk ist tot: Abschied vom Experten.

    D

  4. Hallo Dirk,

    zum Glück hatte jemand unter Schrei einen Hinweis in den Blog gestellt.
    Sorry, ich hatte ihn auch nicht auf dem Schirn.

    Angesichts der AfD Erfolge und des Umgangs damit beschäftigt mich die Rolle der Sozialen Arbeit und ihre öffentliche Präsenz intensiv.

    Wir vom Vorstand wollen eine Diskussion darüber führen, ob und mit welchem Inhalt wir uns als DGSSA öffentlich zu Wort melden wollen.
    Bin gespannt, was rauskommt.

    Wilfried

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