Diskussionsrunden für die dgssa-Jahrestagung 13./14.11.15

Nun ist es soweit:

 

Ab heute kann wunderbar und ausschweifend über alle Vorträge und Workshops im Blog diskutieren werden, die am 13./ 14. 11.2015 in Potsdam bei der dgssa-Jahrestagung stattfinden.

 

Die Inhalte zu den einzelnen Themen finden sie im Abstract:

http://jahrestagung2015.dgssa.de/doks/Abstracts.pdf

 

Nun zu den Vorträgen der einzelnen Panels:

 

  1. Werte in der lösungsorientierten Sozialen Arbeit Hilfeplanung bei den Hilfen zur Erziehung entlang institutioneller Logik der Jugendämter, partizipativer Perspektive oder als marktförmige Aushandlung? (Frank Eger)
  2. Stärken neu denken in der Sozialen Arbeit (Corinna Ehlers)
  3. Zukunft gestalten Welche Bürger/innen haben wir eigentlich vor Augen, wenn wir von „Aktivierung“ in der Sozialen Arbeit sprechen? (Sebastian Sierra Barra)
  4. Soziale Arbeit – ein wichtiger Baustein bei der Fachkräftesicherung und der Verwirklichung von Bildungslandschaften (Stefan Zaborowski (Stiftung SPI))
  5. Gesellschaftliche Entwicklungen und Sozialpolitik Das Kapital im 21. Jahrhundert und die Soziale Arbeit in Deutschland (Wilfried Hosemann)
  6. Herausforderungen für eine Politik des Sozialen (Jens Wurtzbacher)

 

 

 

 

Viel Spaß beim diskutieren wünschen euch die Redakteure des Blogs!!

25 thoughts on “Diskussionsrunden für die dgssa-Jahrestagung 13./14.11.15

  1. Hallo,

    ich lade alle Interessierten herzlich ein, sich schon vorab mit Thomas Piketty’s „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ zu beschäftigen.
    In der Kürze der Zeit können mit Sichereheit nicht alle wichtigen Fragen angesprochen werden. Gerade auch die Kritik an Piketty.
    Deshalb, gleich mal nachfragen und mit seiner Einschätzung nicht hinter dem Berg bleiben.

    Wilfried Hosemann

    • Hey Wilfried, Danke für die Interpunktion!
      Ich habe Piketty nicht gelesen und mich nur mit dem Abstract beschäftigt. Mein entfernter Eindruck: Er rennt offene Türen bei denen ein, die das schon vermuten. Die Anderen wird es sehr wahrscheinlich schlicht nicht interessieren. Ich würde es aktuell nicht lesen. Oder steht etwas drin, was ich noch nicht ahne?

      • Hallo Michael,

        Du ahnst wahrscheinlich eine Menge. Darum geht es aber gar nicht :-).

        Das Buch war/ist in den USA eine Sensation und hat eine bis dahin nicht erlebte Auseinandersetzung mit dem Kapitalsimus asugelöst.
        Die Auseinandersetzung geht um eine Art Weltformel.
        Und sehr konkret um das Anwachsen der Unterschiede in unserer Gesellschaft.
        Bei gesellschaftlichen Auseinandersetzungen helfen Argumente und Belege. Davon gibt es eine Menge bei Piketty.
        Z. B. die Geschichte der Spitzensteuersätze: in den USA 1980noch bei satten 70 % (schon gesunken -Mitte der 40 Jahre noch 95%) und 1988 bei 28 % angekommen. Großbritannien hatte noch bis 80jahre einen Spitzensatz von 98 %. Oder die Entwicklung der Erbschaftsteuer, Beispiel wieder USA: 1980 70 % Spitzensatz und 2013 30%.
        Piketty vergleicht in einmaliger Weise wirtschaftliche Dynamiken auf empirischer Basis und bietet für Schlussfolgerungen wie, der Sozialstaat ist zu teuer, begründete Differenzierungen.

        Nicht zuletzt ist er gerade für Systemtheoretiker, wie Nassehi, eine solche Herausforderung, dass z.B. Nassehi nur noch peinlichen Schrott von sich gegeben hat.

        O.K. Man muss ein paar Schritte gehen, um zu sehen, Piketty ist ein Buch um am nächsten Montag eine bessere Soziale Arbeit zu machen.

        Wilfried

  2. Lieber Wiflried,
    ich habe das Buch ebenfalls noch nicht gelesen, aber das Thema „Auseinanderdriften der Schichten in der Gesellschaft“ beschäftigt uns doch schon länger. Mir fallen dazu mehrerre Diskurse ein:
    a) Soziale Gerechtigkeit (da gibt es ja ein schönes Buch von dir und Brigitte Trippmacher)
    b) Anständige Gesellschaft (Margalith) den ich immer noch sehr anregend finde.
    Wenn der Code Sozialer Arbeit Teilhabe / Nicht-Teilhabe ist, dann müssen wir uns mit den Folgen auseinandersetzen. Wie meine Landsfrau Ilse Arlt so schön sagte: Gesellschaft in der die Grenze der Armut unterschritten und die Grenze des Reichtums überschritten werden, haben ein Problem.
    Meines Erachtens muss Systemische Soziale Arbeit aufzeigen, welche Mechanismen dazu führen, dass diese Grenzen unter – udn überschritten werden und welche Exklusionsmechanismes dies auslöst. Bzw wie es dazu führt, dass die Armen sich gegenseitig im Kampf um die knappen Ressurcen bekämpfen. Wie hier Gegensatzpaare aufgemacht werden, die mit dem ursächlichen Problem wenig zu tun haben. Siehe zB Wohnungsmarkt. Kampf um bezahlbaren Wohnraum. Da sind wir dann wohl doch wieder bei Piketty und co

    • Hallo,

      einige kurzweilige Infos zum Thema kann man sich holen, wenn man z.B. bei Google „Milliarden in Steueroasen : Die Top 30 US konzerne“ eingibt.
      Oder ctj.org/pdf./offshoreshell2015.pdf..

      In diesem Beitrag kann man die interessanten Steuersätze von Apple lesen. Oder die von Microsoft.

      Eine systemische Perspektive, die bei Komplexität aufhört, ist „unterkomplex“ , verkürzt/verfälscht die systemische Tradition und passt nicht zur Sozialen Arbeit. Es klappt auch nicht mit der Ausrede Wissenschaft.

      Wir brauchen Debatten.

  3. Hallo Zusammen,

    Nachdem es James, Moneypenny, Q und M gelang den MI XY-Maulwurf C und den Spectre-Österreicher auszuschalten, für 30 mio £/$(?) Autos, die ich mir niemals werde leisten können zu verschrotten und damit die Weltherrschaft gewöhnlich zu belassen, stelle ich mir, meinen Diesel wieder in den Niederungen der Kleinstadt rückwärts eingeparkt die Frage, was denn mit Nassehis „peinlichem Schrott“ gemeint ist.

    Für gewöhnlich erlebe ich Armin Nassehi außergewöhnlich gut informiert, sprachfertig eher mehrdeutig, vorsichtig, gelegentlich vielleicht reifizierend in puristisch systemtheoretischer Perspektive, lasse mich jedoch gerne auf Exzeptionelles hinweisen oder wird es sogar mehr?

    Grüße,
    Ernst-Stavro

  4. Interaktion, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Recht, Soziale Arbeit, Medien, Organisationen (…): Kopplungsverhältnisse!

    0- „’Du musst sagen, was für eine nette Überraschung.‘ Ich sagte: ‚Was für eine nette Überraschung.‘
    Sie strich mir die Haare aus der Stirn und sagte: ‚Du musst jetzt meinen Nacken umfassen, mich zu dir ziehen und mich küssen.‘ Ich umfasste ihren Nacken und küsste sie.
    ‚Du musst mir jetzt über die Hüften fahren und über die Brüste und sagen, am liebsten würde ich dich überall küssen.‘ Ich fuhr ihr über die Hüften und über die Brüste und sagte: ‚Am liebsten würde ich dich überall küssen.‘
    ‚Du musst jetzt sagen, ich will dich. Jetzt.‘ Ich sagte: ‚Ich will dich. Jetzt‘.
    ‚Du musst mich nehmen.‘ Ich nahm sie.
    ‚Du musst stöhnen.‘ Ich stöhnte.
    ‚Deine Bewegungen müssen schneller und heftiger werden.‘ Meine Bewegungen wurden schneller und heftiger.“
    (Ernst Wilhelm Händler: „Wenn wir sterben“, 2002)

    1- „Was meint ‚Weltkultur‘? Stellen wir uns vor, auf einer bislang unbekannten Insel würde eine unbekannte Gesellschaft ‚entdeckt‘. Was würde sich in der Folge auf dieser Insel verändern? Unter anderem würden die Inselbewohner zu Staatsbürgern mit den üblichen Rechten erklärt, und bestimmte Kategorien von Bürgern – Kinder, Senioren, Arme – würden unter nationalstaatlichen Schutz gestellt. Nationalstaaten entstehen also nicht aus der lokalen Geschichte, sondern als Verwirklichung eines globalen Prinzips, das die Welt durchdringt.“
    (John W. Meyer: „Weltkultur. Wie die westlichen Prinzipien die Welt durchdringen“. Herausgegeben von Georg Krücken, 2005)

    2- „Auf einer Rückkehr aus Nordafrika und Italien legte Karl V, einmal einen kurzen Aufenthalt in Augsburg ein in logierte in den Anwesen der Fugger. Um den Kaiser ihrer Dankbarkeit und ihrer Ehrerbietung zu versichern, boten ihm die Fugger eine prachtvolle Bewirtung und ließen dabei in einem Kamin ein Bündel Zimtstangen aufhängen, ein Gewürz, das zu den teuersten Gütern der damaligen Zeit gehörte. Aber mehr noch: nachdem sie dem Kaiser einen Schuldschein oder Wechselbrief gezeigt hatten, mit den dieser eins den Erhalt einer sehr beträchtlichen Geldsumme quittierte, verbrannten sie die Schuldverschreibung und zündeten sogleich die Zimtstangen im Kamin an. Diese verbreiteten nun ‚einen Duft und einen Lichtschein, die der Kaiser umso süßer und angenehmer empfand, als er sich von einer Schuld befreit sah, die er angesichts seiner Geschäftslage von damals nur schwer hätte begleichen können und die ihm auf diese, so galante Weise als Geschenk dargeboten wurde.“
    (Joseph Vogl: „Der Souveränitätseffekt“, 2015)

    3- „I’m very proud to be an Indian. When i was a kid and people would ask me where I was from I would be embarrassed to say I was from India. But something changed in the nineties. Now I’m very proud to say I from here. In those days there was nothing, you know, and the place was so dirty. now we have BMWs on the streets. By the time I’m fifty it will really have arrived. My kids’ generation will really see it. Everything is happening, people have so much energy. It’s all happening here. – Indira, jewellery designer“
    (Rana Dasgupta: „Capital. A Portrait of Twentyfirst Century Delhi“, 2014)

    4- „Ein Huhn schlägt einem Schwein ein Joint Venture vor. Das Schwein fragt das Huhn, was sie denn gemeinsam produzieren wollen. Das Huhn antwortet Ham and eggs. Vom Markt beeindruckt verfällt das Huhn in ein langes Nachdenken. Bis es schließlich einen wichtigen Gedanken fasst: Aber das würde ja bedeuten, dass ich geschlachtet werde und dir geht es besser als je zuvor! Das Huhn erwiderte ungerührt, was meinst du denn, worin sonst der Sinn eines Joint Venture besteht?“ (Ernst Wilhelm Händler: „Wenn wir sterben“, 2002)

    5- „Der Kompromiss ist unverzichtbares Mittel der Politik und an sich eine schöne und verdienstvolle Sache, zumal, wenn es um Krieg und Frieden geht. Allerdings gibt es auch für Kompromisse moralische Grenzen. Werden diese verletzt wird der Kompromiss selbst kompromittiert; er ist faul, er ‚stinkt‘ und kontaminiert den Frieden, den er vielleicht gestiftet hat.“ „Faule Kompromisse sind nicht gestattet – selbst um des Friedens willen nicht.“
    (Avishai Margalit: „Über Kompromisse und faule Kompromisse“, 2011)

    6- „Souverän ist, wer eigene Risiken in Gefahren für andere zu verwandeln vermag und sich als Gläubiger letzter Instanz platziert.“
    (Joseph Vogl: „Der Souveränitätseffekt“, 2015)

  5. Ola Wilfried Hosemann,

    Ok, auf Komplexität verweisen reicht also nicht. Das hab ich verstanden, aber was hat der münchner soziologe nassehi denn unterkomplex-schrottiges fabriziert?
    (Um für Montag zu wissen, wie ich so etwas dann schneller zu erkennen und auch zu (dis-)qualifizieren vermag, um weiter nach angemesseneren Narrationen
    suchen kann.

    Danke,
    E-S

  6. Hallo Ernst Stavro und alle Interessierten !

    Nassehi, den ich sehr schätze und dem ich viel verdanke, hat vorsichtig formuliert Schrott gebaut. Wieso? Nassehi hat ja erklärt, der systemische Ansatz unterscheide sich von anderen dadurch, dass er die Argumentationsstrukturen offen lege. Also los, schauen wir uns sie an. Es geht um Nassehis – sehr lesenswertes – Buch „Die letzte Stunde der Wahrheit“, S. 218 – 220. Folgen wir einer Reihe von Fragen.

    Wie angemessen wird Pikettys Buch eingeführt?
    Der Erfolg Pikettys Buch wird auf Literatur zurück geführt. Die empirischen Untersuchungen werden als „informative narrative Rekonstruktionen“ (218) bestimmt.

    Wie beschreibt Nassehi seine Ausgangsposition -auf welcher Basis starte er seine Beobachtungen ?
    Es ist ihm, …“ nicht darum tun, dies ökonomisch zu beurteilen – auch wenn mir die ökonomische aKritik an Piketty durchaus einleuchtet, ..“ (S. 219). Ausschließlich aufgezählt und aufgehübscht („Havard-Ökonom“) werden Kritiker. Nobelpreisträger Krugman und viele andere werden nicht erwähnt, denn das Buch ist „stark kritisiert worden“ (219).

    Gibt es eine inhaltliche Auseinandersetzung und welche Hauptargumente gegen Piketty werden wiedergegeben?
    Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den vorgelegten Daten und beschriebenen Strukturen (Systemen) gibt es nicht. Auch nicht mit den Beschreibungen der historischen Erfahrungen, Wahlmöglichkeiten, Unsicherheiten und Pfadabhängigkeiten. Die dargestellte Kontingenz wird unterschlagen. Aus 2. Hand wird vorgetragen: Piketty setze Sparquote mit Kapitalertrags gleich … “ und unterschlage, dass die Vermögen auch ausgegeben, verbraucht und geteilt werden, wenn sie entweder reinvestiert oder an die nächste Generation weiter gegeben werden.“ Die Relation ist auch bei Piketty komplizierter, der Vorwurf lenkt von dargestellte Dynamik ab und der zweite Vorwurf stellt eine Verschiebung der Ebenen dar. Absurd und unseriös wird es durch den schlauen Hinweis vom Havard-Ökonomen: Kapital sei kein Mensch und diese leben nicht ewig. Da wird nun wirklich alles auf simpelste eingekocht und der Lächerlichkeit preisgegeben.
    Genau so kurz und falsch wird das Buch zusammengefasst: Steuern erhöhen – na, das Wissen doch wirkliche Alle, dass das zu kurz greift, dazu braucht man nichts mehr zu sagen.

    Was ist ärgerlich?
    Nassehi wendet sich am Anfang des Buches gegen Intellektuelle, die vom weißen Blatt aus starten und gegen „Sesselforscher“. Nur auf ein empirisches Buch und die darin beschriebene soziale Wirklichkeit lässt er sich nicht ernsthaft ein. Die Schlusspointe (S. 220) gerät zur Westernszene – Piketty’s Formel gegen Nassehis Komplexität. Das liest sich so : Pikettys Formel „-dies ist ein geradezu ästhetisch gelungener Protest gegen Komplexität..“ Nein, darum geht es nicht.

    Zum Zusammenhang mit Sozialer Arbeit andermal mehr.
    Wilfried

  7. Lieber Wilfried Hosemann,
    liebe Teilnehmer,

    ok, Antwort erhalten, Danke!
    Nun ja, gelesen habe ich den Beitrag, verstanden und einen Anschluss angemessen zu placieren, fällt mir deswegen noch nicht leicht. Also müsste ich wohl die Werke der beiden Herren, nach Wilfried Hosemanns Vorschlag wohl zunächst den Piketty lesen, was ich hoffe, ohne einen B.A. in Betriebs- oder Volkswirtschaft fruchtbaren Ertrag für mich in meinem Job, gerade wieder auf den zweiten Versuch rückwärts eingedieselt, bringt.
    habe gerade auf twitter einen Kommentar von Nassehi zu einem NZZ Interview mit Rüdiger Safranski mit den Worten „Intellektuelle Inkontinenz“ gefunden und Heiko Kleve postete einen Artikel, indem ein griechischer Minister die Analysen vom oben erwähnten Piketty in Frage stellt.

    Viel zu tun!

  8. Hallo Ernst Stavro,

    mon Dieu,
    das geht natürlich nicht.

    Ich nehme meinen Stress raus.
    Dafür bringe ich ein paar fiese Fragen: Warum geben sich so viele Leute Mühe (obwohl so viele sagen, dolle Arbeit) Piketty zum Deppen zu machen?

    Hat das was mit arm und reich zu tun? Vielleicht weil Piketty zeigt, die Reichen werden immer reicher und das setzt der Demokratie zu?

    Oder noch einfacher, mal fragen: wie hälst Du es mit den Armen?

    Dafür sollte Zeit sein.

    Wilfried

  9. hallo Wilfried, und ein Hallo ins Netz,

    ich stelle mir gelegentlich vor wenn ich an arme Leute denke, was denn anders wäre, wenn die Leute, die damals in der Oberstufe regelmäßig zwischen 12 und 15 Punkten einfuhren, dann Medizin, BWL oder Juristerei studierten in Wirtschaftskanzleien, im Werbebereich oder sonst in Bereichen anheuerten nun einen Haufen Geld verdienen, ja was denn wäre, wenn diese schlausten Typen sich anders eintschieden hätten, sich einem demokratisch organisierten Gemeinwohl näher verhalten, sich näher fühlen würden?

    Ich freue mich neben der Pikettyanschlussgenerierung für nicht Wirtschaftler auf den Freitag hin erstmal auf den Abend-Vortrag von Marie-Luise Conen.

    Zu Lösungsorientierung: Wenn alles gelöst ist, wo gibts dann noch Halt?

    Freundliche Grüße ins Rund,

    E-S

  10. Hallo Ernst,
    hallo ins Netz,

    ich bin Dir für Deinen Beitrag sehr dankbar !

    Ich hoffe, ich darf Deine Schilderung von den Klassenkamaraden aufnehmen und daraus etwas entwickeln.
    Nämlich die Idee, sie wieder zu treffen und jetzt eine Position zur Sozialen Arbeit (den Armen) einnehmen zu müssen. Meine Erfahrungen bringen mich zu der Intuition, zwei verschiedene Positionen einnehmen zu können. Kurz. knackig und total überzeichnet zu Folgenden: Einmal zu signalisieren, hört mal eigentlich bin auch einer von Euch und ich bringen diesem Sozialvolk paar gerade Linien bei, ihr könnt Euch ja vorstellen, wie anstrendend das ist, denn in diesen Bereich wimmelt es von Gutleuten und für klare Denker ist es nicht einfach. Oder, hört mal, Armut und Reichtum gehören logisch und praktisch zusammen. Euer Wohlstand hat unter anderem damit zu tun, dass viele Leute nicht ihren fairen, gerechten Anteil bekommen und euer sozialer Friede hat etwas mit unserer Leistung als Soziale Arbeit zu tun.

    Natürlich sehr grobmaschig , aber im systemischen Bereich und in der Sozialen Arbeit wird ja viel über Haltung nachgedacht, so dass sich
    Differenzierung finden werden.

    Vielleicht schon auf der Tagung.

    Wilfried

  11. Hallo Wilfried,

    Auch ich danke Dir für den schönen Vorschlag!
    Problem könnte dabei vielleicht sein, dass die meisten sich das kaum anhören wollen, manche dann was über ihren löwen- oder rotarierklub spenden und wir dann vierteljährlich im wochenblatt mit den Typen für 2-4000€ grinsen dürfen, und das eine Sache der Wohltätigkeit bleibt, die die Unternehmen steuerlich Absetzen können!!!! Und auch tun!
    Und das tun die nich netten Leute, die noch so etwas wie eine Haltung zum Gemeinwohl kennen!
    Die Steuerschlupfgeister die sind dabei aus meiner rechnung schon völlig exkludiert, die leben mit unseren und den geldern der armen auf dem Mars in klimatisierten lounges oder in gurgaon, mit privatem E-Werk, Trinkwasserver- und entsorgung, nutten, callboys und lassen sich, wie vor 5-10 jahren bei uns, als es hieß, dass der trend zum zweithandy steige, über Nieren, die sie den Leuten auf der Straße rausschneiden lassen, ebenso aus!

    Aber wer den Tropfen nicht ehrt…
    Prost und
    Bis freitag,

    E-S

  12. Spannend für mich die Impulse, die von den „Kritischen“ kommen. Bei „uns“ Systemikern fällt mir auf: es wiederholt sich Vieles, und ich warte noch auf Neues – oder ich war einfach nicht in den richtigen Workshops/Panels.

  13. Zu Heikos Vortrag:
    Dein Postulat nach einer neuen Finanzierungslogik hast Du ja schon seit vielen Jahren vorgetragen. Ich stimme Dir grundsätzlich zu – dass das nicht so ganz systemisch logisch ist, wie es gerade läuft.
    ABER: was für ein Bürokratiemonster würde das nach sich ziehen, wenn Du dich dann trefflich streiten willst darüber, ob das nun erfolgreich, weniger erfolgreich oder einfach nur Mist war? So ein Messinstrument impliziert von vornherein eine Linearität, die den systemischen Grundgedanken, der hinter deiner Forderung steht, sofort konterkariert.
    Aus meiner begrenzten Sicht als Inanspruchnehmer von Fachleistungsstd. und Tagessätzen ist dieses System letztlich eine Art „historisch“ gewachsene Kompromissformel, auf die man sich halt mal geeinigt hat. Es ist doch auch so: wenn ich als Träger in meiner Arbeit schlecht oder gut bin, dann besteht immerhin Hoffnung, dass das irgendwann mal jemandem auffällt …
    zu deiner Vorstellung des Klienten als Kunden stimme ich dir auch prinzipiell zu. Das findet z. T. auch schon statt (Klienten dürfen sich auch Einrichtungen anschauen und mitbestimmten, dürfen auch die Fachkräfte wechseln), es ist aber – z. B. in Kinderschutzfällen – naturgemäß begrenzt. Da gilt auch letztlich: wenn ich dem Klienten nicht seine Würde lasse oder mich darum bemühe, ihm zu helfen, dass er sie zurückbekommt, dann merke ich das am Ergebnis … auch dann wenn ich in erster Linie als „Agent sozialer Kontrolle“ im staatlichen Auftrag auftrete. M. E. ist die aktuelle Situation eher die, dass an allen Ecken und Enden die Grundwerte unserer Gesellschaft in Frage gestellt werden bzw. verteidigt werden müssen. (Pegida, Terrorismus, aber auch prekäre Lebensverhältnisse abgekoppelter Teile der Gesellschaft) Da stellt sich die Frage: was haben die in der Schule gelernt? Wo haben die gelebt? Womit haben die sich beschäftigt? Wie kann das sein? Soziale Arbeit hat es hier mit einem Bodensatz zu tun – und das erlebe ich in der Praxis einfach nur als super anstrengend und herausfordernd.
    Die Theoriekonstrukte, die mir dann z T. angeboten werden, sind mir dann doch oft viel zu idealtypisch (halt doch eher konstruiert, als gut erprobte Instrumente) ….

  14. Hallo,

    eine kleine Aktualisierung zu den Themen von Piketty.

    Laut Süddeutscher Zeitung vom 25. 11. Seite 17 bekommen 2014 bei der Deutschen Bank:

    „mehr als 800 Angestellte des Instituts pro Person mehr als eine Million Euro, davon mehr als 250 zwischen zwei und neun Millionen Euro“.

    Die Fragen sozialer Strukturen zu diskutieren, ist nicht einfach – aber offensichtlich notwendig.

    Wilfried

    • Lieber Herr Hosemann, werte LeserInnen,

      Das Enkommen bei international tätigen Banken und insbesondere der Deutschen Bank hat unübersehbare Gründe, wie sie die Süddeutsche Zeitung am Wochenende auf Seite 7 verdeutlicht.
      Bei der Entscheidung über das Einkommen der Angestellten der Deutschen Bank muss in Betracht gezogen werden, dass es bei deren verantwortungsvollen Tätigkeiten nicht um Peanuts (Erdnüsse), sondern um Geldanlagen an den führenden Finanzplätzen, also um wichtiges, um richtig Kohle geht.

      Deswegen wird auch folgendermaßen geworben:

      „Das Anlagewissen von den führenden Finanzplätzen.“
      „und mein Berater, der es für mich nutzbar macht.“

      Für Ihre Anlageentscheidungen erschließt Ihnen Ihr Berater das Expertenwissen aus über 60 Ländern. Mit ‚Deutsche Bank Best Allocation‘ investieren Sie gemäß unserer aktuellen Markteinschätzung.“
      „Unser Wissen für Ihr Vermögen.“
      „Leistung aus Leidenschaft“
      Deutsche Bank.

      Das kann man nicht Halbgelernten überlassen; dafür braucht man Leute die intelligent, optimal geschult, erfahren, motiviert und (finanziell) unabhängig sind.

      MFG
      E-S

      • Hallo,

        die Ironie (und die Weihnachtsfilme): Schutz für die verletzte Seele (außer natürlich bei Luhmann, hier ist die Ironie immer als eine geweihte Erkenntnisform zu betrachten) – und natürlich Stachel des Ansporns weiter zu denken.

        Aber wie erfolgreich kommunizieren? Vielleicht auf der Basis der Berufsethik des DBSH? Bietet der „Code of Ethics“ des DBSH eine Plattform für gesellschaftlich relevante Kommunikation?

        Vielleicht dazu im neuen Jahr mehr.

        Gute Zeiten
        Wilfried

  15. Hllo ins Rund,

    Ich hätte da eine Frage, noch schnell zwischen dem Abholen des frisch geschlachteten Biotofus und der Bescherungsglocke:

    „Wer seine Rechte zu seiner autonomen Lebensgestaltung gebraucht, hat diese damit bereits zu einer bloßen Option, zu einem beliebigen Inhalt seines – sittlich indifferenten und damit nicht autonomen, weder autonomen noch heteronomen – Eigenwillens gemacht und damit entwertet: sich also seiner Autonomie beraubt.“ So die SZ heute S.14 über das Buch „Kritik der Rechte“ des Juristen und Leibniz-Preisträgers 2016 (sic), von Christoph Menke.
    (Habe damit neben der Honneth- Empfehlung ein weiteres Wunschwerk für 2016.)
    Das Zitat klingt für mich, als diesbezüglicher Laie, nach mindestens einer Weiterführung der philosophischen Unterscheidung von „negativen“ und „positiven“ Freiheitsrechten, die „Freiheit von“etwas (negative F.) und „Freiheit zu“ etwas, z.B. Zusammenschlüssen in sozialen Assoziationen, aktive Partizipation u.ä. differenziert.

    Oder ist das doch anders (sehr wahrscheinlich komplexer und komplizierter…) zu verstehen?
    Wer hilft?

    Danke und schöne Feiertage,

    E-S.

  16. Hallo,

    ja, ich glaube auch, dass es anders zu verstehen ist.

    Mein Vorschlag wäre, in die Richtung der unterschiedlichen Auffassungen über Freiheit zu schauen.

    Zum einen in die Richtung der Diskussion über gerechte Freiheit, wie sie Philipp Petitt führt (siehe Rezension im socialnet). Petitt unterscheidet Freiheit als Nicht-Einischung und Freiheit als Nicht-Beherrschung.

    Freiheit als soziale Freiheit zu verstehen, wie es Honneth macht,
    erfordert Freiheit an soziale Beziehungen zu knüpfen.

    Wer Freiheit als Umsetzung „autonomer“ Rechte interpretiert, hat sich dann mit der oben zitierten Analyse auseinander zu setzen.

    Die Diskussion über den zu Grunde gelegten Freiheitsbegriff hilft der Sozialen Arbeit in mehrfacher Hinsicht sich über ihr Selbstverständnis klarer zu werden. Vor allem hilft sie konkret in der aktuellen Debatte über Flüchtlinge. Sie hilft den Flüchtlingen und der Aufgabenbeschreibung der Sozialen Arbeit in dieser Problematik.

    Hilft denn mein Beitrag weiter?

    Beste Grüße
    W. H.

  17. Hallo E.-S,.

    und alle anderen Interessierte,

    schon was bei Christoph Menke gelesen?

    Die „Kritik der Rechte“ sind nicht einfach zu lesen, aber sehr lohnend.

    Klar wird schon nach wenigen Seiten: Soziale Arbeit muss soziale Rechte schaffen und nicht nur anwenden. Sie hat das in der Gechichte immer wieder getan. Daran kann frau/man mit Zutrauen und Stolz anknüpfen.

    Wilfried

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